Krisenmanagement und Krisenkommunikation

Die Liste möglicher Krisen ist lang: Korruptionsfälle, Sabotagen, Insolvenzen, Werksschließungen, Entlassungen, Streiks, Menschenrechtsverletzungen, Produktrückrufe, Störfälle und viele andere mehr. Für Katastrophen und Skandale liegen bereits eine Vielzahl von zumeist praktischen Ausführungen vor. Entweder als akute Krisenbewältigungsmaßnahmen im Sinne von zentral koordinierten fire-fighting-Aktionen oder als Einsatz von CSR-Strategien zur Krisenprävention. Ein Blick in die entsprechende PR-Literatur zeigt, dass die Analyse von Krisenursachen und Krisenverläufen zwar ein wissenschaftliches Niveau erreicht hat. Wenn es allerdings um Modelle und Erfolgsfaktoren der Krisenbewältigung geht, erinnern die Ausführungen mehr an einfache und naive Ratgeberliteratur: Checklisten, Krisenhandbücher, Sprachregelungen und Do und Don’t-Listen sollen eine akute Krise so schnell wie möglich zum Ende führen.
 
Die Krisenanfälligkeit der Unternehmen steigt
Die in eine wirtschaftliche Krise geratenen Unternehmen treffen häufig auf eine größere Anzahl von Stakeholdern und auf spezialisiertes Personal mit entsprechender Erfahrung und Expertise. Die Komplexität steigt an, weil Unternehmen nicht mehr nur die Interessen ihrer primären Stakeholder (Vertreter von Eigen- und Fremdkapital) berücksichtigen müssen. Stakeholder formulieren gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten ihre Interessen und Ansprüche nachdrücklicher als in Zeiten von Wachstum und Erfolg. Eine zentrale Rolle spielen dabei die eigenen Führungskräfte im Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen wie Gewerkschaften und Betriebsräte sowie politische Entscheidungsträger. Neben der gestiegenen Anzahl von Stakeholdern nimmt auch die Professionalisierung der jeweiligen Stakeholder zu. 
 
Wir beherrschen das gesamte Instrumentarium des (kommunikativen) Krisenmanagements. Allerdings ist nach unserer Erfahrung vielmehr die Beantwortung der folgenden Fragen für jede Krisensituation erfolgskritisch:
  • Welche Symptome und welche Warnsignale machen welche Diskussionen und Entscheidungen im Management erforderlich?
  • Wie erreichen wir eine argumentative Souveränität, so dass wir mit professionell vorbereiteten Stakeholdern auf Augenhöhe diskutieren und verhandeln können?
  • Wie stellen wir unsere Kommunikations- und Interpretationshoheit sicher?
  • Wie vermitteln wir negative Botschaften?
  • Wie sichern wir uns die Unterstützung einflussreicher Stakeholder?
  • Wie halten wir Kritiker und Gegner in Schach?